Feuchtbiotop in Göttingen

Ökologisch vielfältiger Lebensraum

Auf Initiative von Sartorius und in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung und der Stadt Göttingen entsteht auf einer etwa 16 Hektar großen Fläche an der Leine ein vielfältiges Feuchtbiotop. Das Gebiet war bisher überwiegend durch eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung geprägt.

Der Fluss Leine teilt das Areal in zwei gleichmäßige Abschnitte, die einen ökologisch vielfältigen Lebensraum für seltene und gefährdete Tiere wie Amphibien und Vögel bieten. Im Rahmen der Maßnahmenumsetzung wurden unter anderem ein Weichholz-Auwald, Flutrinnen, Mulden und Senken als Elemente des Auenreliefs, mehrere Flachwassertümpel, Stillgewässer und extensives Grünland geschaffen. Für Interessierte wurden ein Beobachtungsturm und ein Erlebnisweg angelegt. An ausgewählten Stellen wurde die Uferbefestigung aufgelöst, um den Flusslauf naturnäher zu gestalten.

Sartorius trägt sämtliche Kosten für das Projekt in Höhe von über einer Million Euro.

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Neue Biotop-Landschaft in Göttingen offiziell eröffnet

Göttingen, 2. Juli 2022

  • Gelände an der Leine der Öffentlichkeit übergeben
  • Gelungene Kooperation von Sartorius, der Stadt Göttingen und der Heinz Sielmann Stiftung

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Elemente des Biotops

Flachwassertümpel, auch Blänken genannt, sind flache Wasseransammlungen. Durch ihre wechselnden Wasserstände fühlen sich dort vor allem Amphibien besonders wohl. Die hier vorherrschenden, wechselnden Bedingungen von feucht und trocken, bedeuten für sie einen idealen Lebensraum. Flora und Fauna haben sich auf die schwankenden Wasserstände der jeweiligen Jahreszeiten perfekt eingestellt. Damit sich Amphibien hier ansiedeln, braucht es zudem extensives Grünland ohne Düngung, wie es in diesem Biotop zu finden ist. Auch Rückzugsmöglichkeiten an Land sind ein wichtiger Bestandteil dieses Lebensraums.


Es handelt sich um ein stehendes Flachgewässer, das weder einen Zu- noch einen Abfluss hat. Das Sonnenlicht reicht bis zum Gewässergrund und ermöglicht somit das Wachstum grüner Pflanzen am gesamten Boden sowie die Ansiedelung verschiedener Wassertiere. Amphibien profitieren von diesen Bedingungen und legen gerne ihren Laich in den Flachwasserbereichen ab. Die Entwicklung der Larven wird durch die Sonneneinstrahlung begünstigt, allerdings müssen sie sich vor hungrigen Fischen in Acht nehmen.


Auwälder liegen in Überflutungsbereichen (Auen) von Fließgewässern und grenzen direkt an Bach- und Flussufer. Geprägt von der Bewegung und der Kraft des Wassers, bieten sie Lebensraum für verschiedenste Pflanzen und Tiere. Die flussnahen Weichhölzer – vor allem Weiden, Erlen und Pappeln – wachsen sehr schnell. Durch die weitgehende Regulierung von Flüssen, werden Weichholzauen zunehmend zu Hartholzauen mit kürzeren Überflutungszeiten. Ziel im Projektgebiet ist ein Naturwald mit einem engen Nebeneinander verschiedener Entwicklungsphasen vom Jungwald bis zum Zerfallsstadium. Stirbt ein alter Baum, darf er als Totholz stehen oder liegen bleiben. Die Schaffung von Auwäldern dient dem Erhalt der Artenvielfalt.


Extensivgrünland dient der nachhaltigen Nutzung und bietet darüber hinaus Erholungs- und Erlebniswert. Außerdem trägt es zum Grundwasserschutz bei. In Naturschutzgebieten soll es vor allem Wiesenbrütern Lebensräume und Brutmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus dienen diese Gebiete dem Kranich als Nahrungsfläche und zum Beispiel Hasen und Rehen als Äsungsfläche.


Die im Biotop geschaffenen Flutrinnen werden bei Hochwasser zeitweilig mit Wasser geflutet. Die überfluteten Mulden stellen ein hervorragendes Laich- und Aufwuchsgebiet zur Fortpflanzung gefährdeter Fischarten der Aue dar. Mit dem abfließenden Wasser gelangen die Jungfische wieder zurück in den Fluss. Je nach Überflutungsdauer der Flächen bilden sich außerdem verschiedene für die Auen typische Pflanzenarten heraus.


Um der Natur im Zentrum des Biotops Ruhe zu ermöglichen, bieten der Beobachtungsturm am westlichen Rand des Gebiets sowie der Steg am östlichen Erlebnisweg Einblicke in das Gelände. Die offiziellen Wege machen es möglich, das Biotop zu erkunden, ohne die Tierwelt zu stören.


Um möglichst naturnah durch das Biotop streifen zu können und dennoch den Schutzraum der Biotop-Bewohner zu respektieren, gibt es den Erlebnisweg. Er bietet Besuchern direkten Einblick in das Gebiet. Angeleint sind auch Hunde herzlich willkommen.


Fortschritte seit Projektbeginn

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August 2021 | Ausgangslage am Flüthewehr | Blick von Süden
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August 2021 | Spatenstich für die Biotoplandschaft
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September 2021 | Bagger heben Mulden aus | Blick Richtung Süd-Osten
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September 2021 | Das Areal nimmt Gestalt an: Die späteren Formen der einzelnen Elemente lassen sich bereits erkennen
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September 2021 | Gesamtüberblick aus nördlicher Richtung
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April 2022 | Vögel rasten in dem Gebiet
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April 2022 | Wasser steht in den Mulden, Flutrinnen und Tümpeln
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Juni 2022 | Das Biotop grünt und gedeiht
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Juli 2022 | Offizieller Empfang zur Eröffnung der Biotop-Landschaft
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Juli 2022 | Mit einem Scherenschnitt eröffnen Vertretende von Sartorius, der Stadt Göttingen und der Heinz Sielmann Stiftung das Biotop
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Juli 2022 | Start zu einem geführten Rundgang durch das Biotop
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Juli 2022 | Eine Besuchergruppe auf dem Weg zum Beobachtungsturm

Wer zieht ins Biotop ein?

Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)

Die Entwicklung des seltenen Schmetterlings ist abhängig vom Vorkommen des Großen Wiesenknopfs und der Knotenameise. Eine achtsame Beweidung schafft für beides ideale Bedingungen. Seine Larven lässt er von Ameisen in deren Nester tragen, wo die Raupen später Unmengen an Ameisenlarven verspeisen.


Biber (Castor fiber)

Der Biber spielt eine entscheidende Rolle in der Gewässerlandschaft. So gestaltet er zum Beispiel durch den Bau von Staudämmen sein Umfeld aktiv, kreiert vielfältige Kleinstlebensräume und schafft so Biodiversität. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Biber in Mitteleuropa durch intensive Jagd fast ausgestorben. Dank strenger Schutzmaßnahmen erobert er sich seine Gebiete nach und nach zurück.

Eisvogel (Alcedo atthis)

Der Eisvogel findet im Biotop einen idealen Lebensraum. Die Äste und Wurzeln umgefallener Bäume nutzt er gerne als wassernahe Ansitzwarten. Seine Hauptnahrung besteht aus Fischen, Kaulquappen und Insektenlarven. Beim blitzschnellen Abtauchen ins Wasser, bleibt das Gefieder des Eisvogels nahezu trocken.

Grasfrosch (Rana temporaria)

Im Biotop findet der Grasfrosch die von ihm bevorzugten flachen Laichgewässer. Dort legt er von Mitte März bis Mitte April Laichballen mit ca. 100 Eiern ab. Dann ist auch das laute „Knurren“ des Frosch-Chors zu hören. Viele der Tiere überwintern im Wasser.

Plattbauch (Libellula depressa)

Diese Libellenart besiedelt gerne sonnige Gewässer mit geringem Uferbewuchs. Nach der Paarung, die der Plattbauch im Flug vollzieht, erfolgt die Eiablage in Ufernähe auf der Wasseroberfläche. Als Ansitzjäger lauert er an exponierten Stellen auf Beute und verteidigt von dort aus auch sein Revier.

Rotmilan (Milvus milvus)

Der Randbereich von Gewässern und vor allem das extensive Grünland bieten dem Greifvogel ein besonders gutes Nahrungsangebot. In den hohen Bäumen des Auwalds baut er seinen Horst. Etwa die Hälfte des Weltbestands brütet in Deutschland. Das Revier des Rotmilan erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer.

Schwimmkäfer (Dytiscidae)

Als guter Flieger kann der Schwimmkäfer seinen Aufenthaltsort wechseln. Er besiedelt gerne neu entstehende Gewässer. Dort erbeutet er vor allem kleine Tiere, die ins Wasser fallen. Zur Verpuppung verlassen die Larven das Wasser und vergraben sich.

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)

Zu hören ist der Singvogel besser als zu sehen. Sein meist langanhaltender Gesang verrät ihn. Wer den Teichrohrsänger trotz seiner Tarnung entdeckt, hat Glück. Im ufernahen Schilf klettert er geschickt und baut dort gut befestigte Nester.

Weidensandbiene (Andrena vaga)

Um ihre Niströhren und Brutkammern im Boden anzulegen, ist diese Wildbiene auf offene Bodenstellen angewiesen, die auf den extensiv beweideten Flächen durch die Hufspuren der Rinder entstehen. Ihrem Namen entsprechend hat sich die Weidensandbiene bei ihrer Wahl von Nektar und Pollen auf Weiden spezialisiert.

Nachhaltigkeit als Unternehmenswert

„Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren einer unserer zentralen Unternehmenswerte. Dazu gehören neben einer auf Langfristigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie auch Maßnahmen zum Schutz und Erhalt unserer natürlichen Ressourcen. Als wir gemeinsam mit der Heinz Sielmann Stiftung mit dieser Idee auf die Stadt Göttingen zugegangen sind, haben wir sofort viel Unterstützung erfahren, insbesondere vom ehemaligen Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler persönlich. Ohne diese Unterstützung wäre dieses Projekt nicht möglich. Ich hoffe, dass sich die vielen Naturliebhaber in Göttingen und der Region daran erfreuen werden.“

Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender von Sartorius


Die Schaffung des Biotops erfolgt im Rahmen von weiteren Nachhaltigkeitsprogrammen des Konzerns. So hat Sartorius zum Beispiel an seinem Standort Yauco in Puerto Rico ebenfalls ein umfangreiches Biodiversitätsprojekt realisiert.
 

   Biodiversity in Yauco: 1,800 Trees Newly Planted (Englisch)

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